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Der Satz vom Grund

Zurzeit beschäftige ich mich wieder intensiver mit dem kausalen Determinismus und der damit verbundenen Frage nach der Willensfreiheit. Hier auf dem Blog gibt es bereits zahlreiche Artikel zum Thema, die über die Suchfunktion gefunden werden können. Der heutige Text ergänzt meine bisherigen Ansichten um ein Detail, das mir erst kürzlich bewusst geworden ist, nämlich um die Verbindung des kausalen Determinismus mit dem principium rationis sufficientis; dem Satz vom Grund.

Die Aussage des kausalen Determinismus besteht darin, dass jedes vollständige System von Ursachen eine eindeutig bestimmte Auswirkung zur Folge hat. Ein vollständiges Ursachensystem ist etwa ein Zustand der Welt mit allen Gesetzen, die in ihr gelten. Nach deterministischer Auffassung ist der darauffolgende Weltzustand die notwendige Auswirkung des vorhergehenden. Demnach gibt es nur eine Möglichkeit für die Entwicklung des Universums und aller Geschehnisse in ihm, nur eine kausal mögliche Welt; jene, in der wir leben.
Der Satz vom Grund sagt nach Leibniz, dass

„[…] keine Tatsache als wahr oder existierend gelten kann und keine Aussage als richtig, ohne dass es einen zureichenden Grund dafür gibt, dass es so und nicht anders ist, obwohl uns diese Gründe meistens nicht bekannt sein mögen.“

Das Wort ‚zureichend‘ soll hier genau dasselbe wie ‚hinreichend‘ bedeuten. Sachverhalt A ist also ein zureichender Grund für Sachverhalt B, wenn das Vorhandensein von A notwendigerweise zum Zustandekommen von B führt. Die Aussage von Leibniz besteht dann darin, dass jede Tatsache in der Welt einen solchen Grund hat, der ihre Wahrheit notwendig machte.
Sowohl der kausale Determinismus als auch der Satz vom Grund sind metaphysische Prinzipien und entziehen sich daher einer empirischen Untersuchung. Ich vertrete die Ansicht des Determinismus und habe meine Auffassungen in Wir sind berechenbar argumentiert. Im Folgenden soll es allerdings nicht um eine Rechtfertigung des Determinismus oder des Satzes vom Grund gehen, sondern um einen Beweis der Tatsache, dass der Satz vom Grund den kausalen Determinismus logisch impliziert. Wir nehmen hierfür an, der kausale Determinismus sei falsch. Es folgt, dass es in unserer Welt ein vollständiges Ursachensystem S gibt, das mehrere mögliche Sachverhalte als Auswirkungen hat. Es komme nun ein bestimmter dieser möglichen Sachverhalte zustande, nennen wir ihn A. Offensichtlich hat S das Eintreten von A bewirkt und ist damit ein Grund von A. Allerdings ist S kein zureichender Grund von A, da S das Zustandekommen von A nicht notwendig machte; es hätte ja gemäß unserer Annahme auch noch andere Möglichkeiten gegeben. Nun ist S aber ein vollständiges Ursachensystem, es kann also keine anderen Gründe für A geben, die nicht schon Teil von S wären. Es folgt, dass kein zureichender Grund für den eingetretenen Sachverhalt A existiert und der Satz vom Grund daher falsch ist. Wir haben damit gezeigt: Ist der kausale Determinismus falsch, so auch der Satz vom Grund. Mittels Kontraposition folgt, dass der Satz vom Grund den kausalen Determinismus impliziert.
Ich habe auch darüber nachgedacht, ob zwischen den beiden Prinzipien sogar eine Äquivalenz besteht. Aus zwei Gründen habe ich diesen Gedanken wieder verworfen. Das erste Problem ist, dass der Satz vom Grund sich nicht nur auf die empirische Welt bezieht, sondern auch auf die logische. Er behauptet die Existenz von zureichenden Gründen für die Wahrheit jeglicher Aussagen. Natürlich könnte man den Satz vom Grund für diesen Zweck auf den empirischen Gegenstandsbereich beschränken, doch auch dann bleibt noch das zweite Problem, dass er im Gegensatz zum kausalen Determinismus nicht nur eine Aussage über den Weltverlauf, sondern auch über ihren Anfang und ihre Entstehung macht. Der kausale Determinismus würde es grundsätzlich erlauben, dass der allererste Weltzustand ohne Ursache und zureichenden Grund ist.

Abschließend möchte ich das Dilemma der Willensfreiheit, mit dem ich mich im verlinkten Artikel befasste, unter Berücksichtigung der obigen Ausführungen neu formulieren. Im Folgenden betrachten wir eine Wahl zwischen zwei Alternativen, die wir bewusst treffen. Man stelle sich etwas Belangloses vor: Ich gebe Ihnen die Zahlen 3 und 6 und Sie entscheiden sich, ob Sie die Zahlen addieren oder multiplizieren. Die meisten Menschen haben im Bezug auf solche Szenarien die folgenden beiden Intuitionen:

a) „Meine bewusste Entscheidung hat einen zureichenden Grund.“
b) „Vor meiner bewussten Entscheidung steht meine Wahl nicht fest.“

Als der zureichende Grund von bewussten Entscheidungen wird üblicherweise eben das angesehen, was man Wille nennt. So schwierig der Begriff der Willensfreiheit auch zu definieren ist: der Gedanke, dass unsere Handlungen ohne zureichenden Grund stattfinden, also teilweise oder sogar zur Gänze der Beliebigkeit oder dem Zufall unterworfen sind und damit erst recht nicht völlig in eigener Hand liegen, widerstrebt jedem Verständnis, das man von diesem Begriff nur haben kann. Wir zeigen nun aber, dass die Intuitionen a) und b) schlicht unvereinbar sind. Wenn nämlich die Intuition a) wahr ist und Ihre bewusste Entscheidung einen zureichenden Grund hat, so existiert also ein Sachverhalt, der gerade dazu führte, dass Ihre Entscheidung auf diese Weise ausfällt. Noch bevor Sie Ihre Wahl treffen, legt dieser Sachverhalt mit Notwendigkeit fest, wie Sie sich entscheiden werden; er ist ja der zureichende Grund dafür. Wenn es noch irgendeine andere Möglichkeit geben würde, wäre Ihre Entscheidung ohne zureichenden Grund. Dann aber wäre es bis zu einem gewissen Grade beliebig und zufällig, ja eben grundlos, dass Sie sich gerade so und nicht anders entscheiden.
Ist die Intuition a) wahr, so steht das Ergebnis Ihrer bewussten Entscheidung durch den zureichenden Grund schon fest, bevor Sie diese treffen. Die Intuition b) ist also falsch. Es folgt, dass a) und b) nicht beide wahr sein können. Wie im ursprünglichen Artikel bereits erwähnt, ist die aus den Sätzen a) und b) gebildete Intuition vom Begriff der Willensfreiheit eine fundamentale Basis für das Rechtssystem und für unsere Vorstellung von moralischer Verantwortung. In diesem Zusammenhang erscheint das oben beschriebene Dilemma besonders problematisch.

Liebe Grüße
Mahiat

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Lernen ohne Noten

Die Ausbildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen in staatlichen Institutionen unterliegt Prinzipien und Strukturen, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte im Wesentlichen unverändert geblieben sind. Unsere Gesellschaft trennt sich – allen pädagogischen und didaktischen Erkenntnissen und PISA-Studien zum Trotz – nur ungern von Traditionen und Gebräuchen. Das gilt insbesondere im konservativen Österreich und in diesem Falle umso mehr, da ja die meisten von uns in jungen Jahren im Rahmen dieses Bildungssystems erzogen worden sind und besagte Prinzipien als unzweifelhafte Dogmen mit der Muttermilch aufgesogen haben. Personenkritik ist hierzulande beliebter als Systemkritik, weshalb den Lehrkräften nur allzu gerne die Schuld für bestehende Probleme zugeschoben wird. Die Vorstellung einer Schule ohne Stundenplan, fixe Lernziele oder Noten liegt einem überwiegenden Teil der Bevölkerung hingegen fern. Bildungseinrichtungen, in denen derartige Konzepte umgesetzt werden, werden oftmals belächelt.
Noten sollen Kinder auf den Druck in unserer Leistungsgesellschaft vorbereiten, so ein Kernargument der Verteidiger traditioneller Bildungsstrukturen. Gleich zwei Punkte sind daran auszusetzen. Zum einen wird der Leistungsdruck bei dieser Argumentation vorausgesetzt und hingenommen, als wäre er eine unumstößliche soziale Tatsache. Vielmehr handelt es sich dabei um einen höchst problematischen Aspekt unseres Zusammenlebens, der sich eben gerade durch eine andere Erziehung lösen ließe. Zum anderen manifestiert sich im Ziffernnotensystem eine gnadenlose Quantifizierung des Erfolgs, die selbst in unserer Leistungsgesellschaft ihresgleichen sucht. In wenigen Berufen ist man dem Feedback durch Vorgesetzte in einem vergleichbaren Ausmaß ausgesetzt wie den regelmäßigen Zensuren in der Schule oder auf der Uni. Ohne derartige Rückmeldungen selbstverantwortlich zu arbeiten und dabei gute Leistung zu erbringen, das ist eine Kompetenz, die junge Menschen in unseren Bildungseinrichtungen definitiv nicht erwerben.
Wie Bildung und Erziehung von Kindern in Schulen idealerweise gestaltet werden soll, ist natürliche eine ausgesprochen schwierige Frage. Dass aber die Beurteilung mit Ziffern in den ersten Schuljahren in jedem Falle überflüssig ist, zeigt der internationale Vergleich. In Norwegen und anderen skandinavischen Ländern, die in den Bildungsstudien üblicherweise gute Ränge belegen, wird erst ab der achten Klasse benotet. Nichtsdestotrotz hat unsere frisch gewählte Bundesregierung vor, verpflichtende Zensuren auch für die Volksschule wieder einzuführen. Zu bemerken ist dabei, dass die Wahlfreiheit in dieser Angelegenheit für die Schulen erst seit 2016 bestand. Der Vorstoß seitens ÖVP und FPÖ hat, wie so manches in ihrem Regierungsprogramm, keinen vernünftigen Anlass.
Ein ausführliches Gespräch mit der Lehrkraft bietet im Regelfall eine differenzierte Rückmeldung über die Fortschritte des Kindes als eine banale Ziffer im Zeugnis. Was macht Noten also überhaupt attraktiv? Durch sie wird es einfacher, das eigene Kind in einen Vergleich zu stellen; zu den anderen Kindern, zu den Geschwistern, zu sich selbst. Der eingangs erwähnte Leistungsdruck hat uns an derartige Vergleiche gewöhnt, wir haben gar ein Bedürfnis nach ihnen entwickelt. Zensuren befriedigen es auf eine Weise, wie es eine inhaltliche Rückmeldung niemals könnte. Mit dem Notensystem leiten wir unsere Kinder ab ihrem sechsten Lebensjahr an, ebendieses Bedürfnis auszubilden und es mithilfe von guter Leistung zu befriedigen oder beim Versuch zu versagen. Das Bildungssystem ist, in seiner jetzigen Form, der Katalysator unserer pervertierten Leistungsgesellschaft.

Ich habe meine Rigorosen nun hinter mir und mittlerweile auch den Bescheid erhalten, dass ich alle Voraussetzungen für eine Promotion sub auspiciis praesidentis erfülle. Ich bin mit großem Erfolg durch eben jenes System gegangen, das ich hier so vehement kritisiere. Umso mehr ist es mir ein Anliegen zu betonen, dass ich heute nicht wegen, sondern trotz des auf Leistung ausgerichteten Bildungssystems Mathematiker bin. Der ständige Notendruck konnte mir, im Gegensatz zu tausenden anderen Jugendlichen in Österreich, meine Neugierde und die Freude am Lernen nicht nehmen. Dazu kamen einige hervorragende Lehrkräfte an meiner Schule und der Uni. Nichtsdestotrotz weiß ich, dass ich in einem anderen Bildungssystem besser gediehen wäre. Ich wäre nicht unbedingt leistungsfähiger gewesen, aber ich hätte mich wohler gefühlt. Dass sich mein Unbehagen in der Schule nicht auf meinen Lernerfolg auswirkte, war Glück für mich; unzählige andere haben dieses Glück nicht.

Liebe Grüße
Mahiat

Große Primzahlen

Seit einigen Tagen gibt es eine neue größte bekannte Primzahl. Die Details der Entdeckung können hier nachgelesen werden. Nach solchen medienwirksamen mathematischen Fortschritten tut sich in den Onlineforen häufig die Frage auf, „wozu so etwas gut sein soll“. Das möchte ich zum Anlass nehmen, um sie mit einem schon länger angekündigten Artikel über meine Dissertation zu beantworten, die ich in wenigen Wochen verteidigen werde. Ich werde die Anwendungsbereiche großer Primzahlen erklären und den damit zusammenhängenden praktischen Nutzen von mathematischen Tests, deren Aufgabe in der Klärung der Frage liegt, ob eine gegebene Zahl prim ist oder nicht.

Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl ungleich 1, die nur durch sich selbst und durch 1 teilbar ist. 2, 3, 5, 7 und 11 sind die ersten fünf Primzahlen. 4 ist keine Primzahl, denn 4 ist nicht nur durch 1 und 4, sondern auch durch 2 teilbar. 6 ist durch 2 und durch 3 teilbar und somit ebenfalls keine Primzahl. Es gelten:

  1. Jede natürliche Zahl ungleich 1 kann als Produkt von Primzahlen geschrieben werden. (Z.B.: 6=2*3, 35=5*7, 12=2*2*3, 5=5, 8=2*2*2, 29=29, 30=2*3*5)
  2. Es gibt unendlich viele Primzahlen. (Interessierte finden hier einen Beweis dieser Aussage.)

Wir beschäftigen uns im Folgenden hauptsächlich mit der ersten Aussage. Die Schreibweise einer natürlichen Zahl als Produkt von Primzahlen nennt man Primfaktorzerlegung. 2*3*5 ist also die Primfaktorzerlegung von 30, und die Zahlen 2, 3 und 5 sind ihre Primfaktoren. 11 ist der einzige Primfaktor von 11. Folgendes Problem stand im Zentrum meiner Dissertation:

Sei eine beliebige natürliche Zahl gegeben. Berechne ihre Primfaktorzerlegung.

Dies ist das sogenannte Faktorisierungsproblem natürlicher Zahlen. Für kleine Zahlen ist es recht einfach zu lösen. Jedes Volksschulkind kennt die Primfaktoren von 15. Die Primfaktorzerlegung der Zahl 1023 ist gewiss schwieriger zu finden, aber für gute Kopfrechner ebenfalls keine große Herausforderung. Selbst diese werden allerdings an ihre Grenzen stoßen, wenn sie die Primfaktoren von 12495577 berechnen sollen; ein Computer hingegen gibt in Sekundenbruchteilen 2311 und 5407 aus. Wie aber lauten die Primfaktoren von
17969491597941066732916128449573246156367561808012600070888918835531
72646034149093349337224786865075523085586419992922181443668472287405
20652579374956943483892631711525225256544109808191706117425097024407
18010364831638288518852689 ?
Diese riesige Zahl war eine der Aufgaben der RSA Factoring Challenge, die 1991 begann und 2007 endete. Dabei handelte es sich um eine Tabelle von Zahlen, für deren Faktorisierung teils Preisgelder bis zur Höhe von $200.000 ausgelobt wurden. Bis heute ist es niemandem gelungen, die Primfaktorzerlegung der obigen Zahl zu finden. Ähnlich verhält es sich mit einem Großteil der anderen Zahlen aus der Challenge.
Selbst mit den besten bekannten Algorithmen auf den schnellsten Computern der Welt ist das Faktorisierungsproblem für große Zahlen von bestimmter Form unheimlich schwer zu lösen. Ganz besonders schwierig gestaltet sich die Zerlegung, wenn wir es mit einem Produkt von zwei ebenfalls sehr großen Primzahlen zu tun haben. Alle Zahlen der RSA Challenge haben eine solche Form N=p*q, wobei p und q groß und prim sind.

Damit ist das Problem erklärt. Welchen konkreten Nutzen aber hat die Spielerei mit großen Primzahlen? Tatsächlich kann man ohne Übertreibung sagen, dass von diesen die Privatsphäre und die Sicherheit der meisten Transaktionen im Internet abhängt. Sie haben vielfältigste Anwendungen in der Kryptographie, von denen ich im Folgenden nur eine grob beschreiben möchte. Es handelt sich dabei um das Verschlüsselungssystem RSA, das sich die oben beschriebene Schwierigkeit des Faktorisierungsproblems zunutze macht. Für RSA werden zunächst zwei große  Primzahlen p und q gesucht, die bestimmte Eigenschaften erfüllen. Damit diese Suche möglichst rasch und effizient vonstatten geht, werden verschiedenste Tests und Algorithmen verwendet; ähnlich wie jener, mit dem neulich auch die neueste größte bekannte Primzahl entdeckt wurde. Hat man p und q gefunden, so werden die beiden Primzahlen miteinander multipliziert und man erhält N=p*q. An dieser Stelle ist es wichtig, p und q zu löschen. Deren Produkt, die Zahl N, kann öffentlich gemacht werden. Die Funktionsweise von RSA, welche ich hier nicht mehr genauer erläutern kann, erlaubt eine effiziente und sichere Kommunikation. Die Sicherheit des Kommunikationskanals hängt allerdings davon ab, dass es praktisch unmöglich ist, aus der öffentlichen und für jeden einsehbaren Zahl N die beiden Primfaktoren p und q zu berechnen.
Ich habe in meiner Dissertation einen kryptoanalytischen Ansatz verfolgt und mich dabei an die schwierige Aufgabe gewagt, bessere Algorithmen für das Faktorisierungsproblem zu finden. Auch wenn mein Fortschritt keine Gefahr für die Sicherheit von RSA darstellt, ist mir die Entwicklung eines neuen Verfahrens gelungen, das effizienter faktorisiert als die mit meinem Algorithmus vergleichbaren Methoden. Außerdem habe ich mich mit Beziehungen zwischen dem Faktorisierungsproblem und anderen Herausforderungen aus dem Bereich der algorithmischen Zahlentheorie beschäftigt. Wer Lust auf einen kurzen Blick in meine Arbeiten hat, wird hier fündig.

Wozu also soll es gut sein, sich mit der Suche nach einer neuen größten bekannten Primzahl zu beschäftigen? Zum einen treibt diese Suche die Entwicklung von besseren Tests zur Primzahlerkennung voran. Sie befördert auch die Forschung an möglichst effizienter Programmierung dieser Algorithmen und der Verteilung der Rechenlast in einem Computernetzwerk. All das hat einen konkreten praktischen Nutzen, den ich in diesem Beitrag beschrieben habe. Zum anderen gibt es auch Leute, die einfach Spaß an der Sache haben. Viele Hobbymathematiker stellen freiwillig die Rechenleistung ihres Computers zur Verfügung.
Ich möchte dem noch hinzufügen, dass die Frage nach dem direkten Nutzen in der Mathematik generell kein Kriterium für Förderungswürdigkeit von Forschung sein darf. Daraus würde sich nämlich eine immense Beschneidung des wissenschaftlichen Fortschritts ergeben. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass sich konkrete Anwendungsmöglichkeiten von Erkenntnissen manchmal erst lange Zeit nach ihrer Entdeckung ergeben.

Liebe Grüße
Markus Hittmeir

#MeToo als Lernprozess

Seit einigen Wochen werden durch die #MeToo-Kampagne Fälle sexueller Belästigung offen gelegt. Die bisherigen Enthüllungen betrafen in erster Linie Männer in hochrangigen Positionen. Die Vorwürfe gegen Peter Pilz hatten seinen Rücktritt und damit erste Konsequenzen für die österreichische Politik zur Folge. Im Zuge dieser Entwicklungen ist Kritik an den Ausprägungen der Kampagne laut geworden. Peter Pilz sah sich letzte Woche als Opfer einer politischen Intrige. Peter Kolba, interimistischer Klubobmann der Liste Pilz, sprach nun gestern von einer Medienjustiz, der der Listengründer zum Opfer gefallen sei. Die reflexhafte Ablehnungs- und Verteidigungshaltung ist nicht nur eine übliche Reaktion von Politikern, die mit Vorwürfen jeglicher Art konfrontiert werden. Sie ist insbesondere auch eine Umgangsweise zahlloser Menschen mit Kampagnen wie #aufschrei oder #MeToo. Diese Bewegungen sind meines Erachtens nicht allein als gesammelte Vorwürfe gegen ganz bestimmte Einzeltäter zu verstehen, sondern vielmehr als Anklage eines gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins. Im Folgenden möchte ich erklären, warum ich diese Klage für berechtigt halte.

Die Suche nach einer intersubjektiv nachvollziehbaren Definition von sexueller Belästigung war Gegenstand zahlloser Debatten. Die Frage nach der Grenze zwischen legitimen Annäherungsversuchen und unangemessenem Verhalten wurde oft gestellt. Alle Versuche, ein objektives Kriterium zur Bestimmung dieser Grenze anzugeben, scheiterten und mussten scheitern. Die Antwort ist denkbar einfach: ein solches Kriterium existiert nicht. Es ist einfach nicht möglich, eine intersubjektive Definition für etwas festzulegen, das von der subjektiven Bewertung eines jeden Individuums abhängt. In unserem Fall geht es darum, wann etwas als Belästigung empfunden wird und wann nicht. Gefühle unterliegen keinen Geboten, Verboten, rechtlichen Bestimmungen oder anderweitigen formalen Einschränkungen. Auf diese Frage kann es also keine unberechtigten Antworten geben.
Muss nun irgendwer ob dieser vermeintlichen Ungewissheit kapitulieren und bedauern, er wüsste nicht mehr, wie er sich dem anderen Geschlecht gegenüber verhalten soll? Manch ein Mann tut zurzeit so, als wäre er ein Roboter und würde sich in allen zwischenmenschlichen Begegnungen nach einem programmierbaren Protokoll richten. Nun hätte man ihm seine Grundlage für den Umgang mit Frauen entzogen, was jeglichen weiteren Umgang mit dem anderen Geschlecht unmöglich mache. Natürlich aber ist das absoluter Unsinn und nichts anderes als eine Ausrede, um eigene Verhaltensweisen und deren Auswirkungen auf andere nicht überdenken zu müssen. Es mag aus den erwähnten Gründen vielleicht kein todsicheres Rezept für gelungene soziale Interaktion geben. Um Menschen im eigenen Umfeld nicht regelmäßig emotional zu verletzen, genügen jedoch basalste Formen von Selbstkritik und Empathie. Es ist eben nicht schwierig zu bestimmen, wo „die Grenze“ ist; und niemand sollte dafür eine allgemeine Richtlinie benötigen.
Auch das Strafrecht kann eine solche Richtlinie im Übrigen nicht liefern. Es beschäftigt sich nämlich nur damit, welche Verhaltensweisen und Handlungen zu verbieten und bei einer Anzeige entsprechend juristisch zu verfolgen sind. Das aber ist eine andere Frage als die, die wir oben diskutiert haben. Vielen Kritikern der #MeToo-Kampagne scheint nicht bewusst zu sein, dass sexuelle Belästigung bereits lange vor der Strafwürdigkeit beginnt. Das Spektrum reicht von unangemessenen Äußerungen über körperliches Bedrängen bis hin zur Vergewaltigung. Und wenn ein Chef zu seiner Angestellten häufig „Schatzi“ sagt, oder ein Mann erwachsene Frauen regelmäßig als „Madl“ oder „Dirndl“ bezeichnet, macht er sich natürlich nicht strafbar. Er bringt damit aber ein gewisses Mindset, eine Einstellung gegenüber diesen Frauen zum Ausdruck, ob sie ihm nun selbst überhaupt bewusst ist oder nicht. Kein Mann, der Frauen mit Respekt begegnet und sie als reife und gleichberechtigte Persönlichkeiten ansieht, spricht in dieser Weise zu ihnen oder über sie.

Es geht schließlich um dieses Mindset, das tatsächlich viel weiter verbreitet ist als die Neigung zu strafwürdigen sexuellen Handlungen. Es handelt sich um den Nährboden für alle weiteren Diskriminierungen. Kampagnen wie #MeToo bieten die Möglichkeit, derartig tief verankerte Einstellungen in unserer Gesellschaft aufzuzeigen, in Frage zu stellen und in letzter Konsequenz zu bekämpfen. Gelingen kann dies nur durch einen Lernprozess, der die Menschen zum Umdenken bewegt und dazu, in ihrem eigenen Umfeld mehr Kritik an entsprechenden Äußerungen zu üben. Wir müssen damit aufhören, längst überholte Geschlechterstereotype als gegeben hinzunehmen und im schlimmsten Falle unsere Kinder danach zu erziehen. Diese Debatte ist gewiss auch eine juristische, aber in erster Linie ist sie eine psychologische. #MeToo zeigt uns, dass wir in unseren Köpfen von Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern nach wie vor meilenweit entfernt sind.

Liebe Grüße
Mahiat

Schwarzblau

Seit Jahren drängt die FPÖ auf „Null-Obergrenzen“ und „Minuszuwanderung“, will mittellosen Immigranten in einem der reichsten Länder der Welt die für das Staatsbudget absolut belanglose Mindestsicherung streichen und wundert sich gleichzeitig über Parallelgesellschaften und erhöhte Kriminalitätsraten. Sie fordert Steuerentlastungen für Reiche und Großunternehmen, reduziert Sozialleistungen für die Mittel- und Unterschicht und verkauft sich trotzdem erfolgreich als Arbeiterpartei. Und diese Partei, die die Freiheit im Namen trägt, hat das bornierteste und konservativste Gesellschaftsverständnis, lehnt fast alle Familienkonzepte ab, hat für die freie Kunst weder Subventionen noch sonst irgendetwas übrig, zeigt immer wieder ein alarmierendes Verständnis von offener Meinungsäußerung, befürwortet Kleidungsvorschriften und würde wohl selbst in die engsten und privatesten Lebensbereiche der Menschen eindringen, wenn sie nur die Macht und Möglichkeit dazu hätte. Alle ihre Unzulänglichkeiten, Fehler und Skandale sind nach einigen Wochen wieder vergessen, und die meisten ihrer Wähler scheinen über die FPÖ überhaupt nicht mehr zu wissen, als dass sie für das „christliche Abendland“ und gegen „den Islam“ kämpft.
Ein junger und schwiegersöhnlicher Kandidat, der sich für Rechtspopulismus nicht zu schade ist: das ist das hundertprozentige Erfolgsrezept für österreichische Politik. Jörg Haider hat es bewiesen und Heinz-Christian Strache hat daran angeknüpft. Mittlerweile aber ist der Letztere weder jung noch schwiegersöhnlich, und passt nicht mehr ins obige Profil. Langsam und widerwillig räumte er in den letzten Jahren die besagte Position in der österreichischen Politlandschaft frei. In ihrer Not nutzte die ÖVP nun die Gelegenheit und hat den Posten mit Sebastian Kurz nachbesetzt. Laut Umfragen gewann die Partei dadurch 15% in zwei Wochen. Seither wettert Kurz bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit über den Islam, während er in anderen Belangen eine ähnlich neoliberale und gesellschaftsgefährdende Agenda verfolgt wie die FPÖ. Gesprächsstil und Verhalten in den sozialen Medien erinnern mehr und mehr an Strache, während dieser hilflos daneben steht.

Strache muss nicht allzu unglücklich sein, denn aller Voraussicht nach wird er in einigen Wochen zum Vizekanzler angelobt. Durch die Ankündigung Christian Kerns, bei einem zweiten Platz der SPÖ in Opposition gehen zu wollen ([1]), scheint Schwarzblau besiegelt. Wem das noch nicht unheimlich genug ist, dem fällt bei dem Studium der letzten Umfragen noch eine weitere Gefahr auf: das Schwinden der Opposition. Die letzten Erhebungen können auf neuwal.com verfolgt werden und bieten ein ausgesprochen, ja viel zu ([2]) homogenes Bild. Die vom Institut ‚Unique Research‘ am 29.09. veröffentlichte Befragung von 1500 Menschen macht da keine Ausnahme und kommt zu folgendem Ergebnis: ÖVP 34, SPÖ 27, FPÖ 25, GRÜNE 4, NEOS 4, PILZ 4. Auch der Trend zeigt eine Wählerbewegung hin zu den drei Großparteien. Die drei Kleinparteien hingegen kämpfen zurzeit alle um den Einzug in den Nationalrat, der ja bekanntlich das Überwinden der 4%-Hürde voraussetzt. Im Moment ist es unwahrscheinlich, dass alle drei Listen diesen Kampf verlieren; gleichzeitig ist es nicht auszuschließen. Für die Nationalratswahl am 15. Oktober gebe ich daher Folgendes zu bedenken: Je nach persönlichen Präferenzen ist neben einer Stimme für die SPÖ auch jede Stimme für eine der drei kleineren Parteien wertvoll, um der vermutlich nicht mehr zu verhindernden schwarzblauen Regierung zumindest eine einigermaßen handlungsfähige Opposition entgegenzusetzen.

Liebe Grüße
Mahiat

Eine Kritik des Islams

Seit ich mich mit Philosophie beschäftige, ist meine Religionskritik beständig und von hoher und unveränderter Intensität geprägt. Sie taucht als regelmäßiges Thema in meinen Essays und in meiner Prosa auf. Nach meiner Erkenntnis ist die Argumentations- und Diskussionslage bei keinem interessanten metaphysischen Problem derart klar wie in der Gottesfrage; ja so klar, dass ich mich frage, ob ich dieselbe überhaupt noch zu den interessanten Problemen zählen kann. Ich bin demnach Atheist und könnte mit guten Gründen auch als Antitheist bezeichnet werden. Religiöse Erziehung halte ich für schädlich in seiner Auswirkung auf die moralische, emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern. Hier erklär ich, warum.

Als Europäer darf ich das, unsere Länder haben die Aufklärung genossen. Das Christentum kennt seither seinen Platz in der freien Gesellschaft, es ist gezähmt worden und nicht mehr so gefährlich wie zuvor. Nur aufgrund dieser Zähmung ist es heute möglich, sachliche und rationale Kritik an religiösen Konzepten zu üben, ohne Verfolgung fürchten zu müssen. Nur aufgrund dieser Zähmung ist es heute auch üblich, sich eine derartig kritische Meinung zu bilden. Das Christentum hat sich verändert und ist den Weg gegangen von einer herrschenden zu einer beherrschten Religion, von einer freiheitsberaubenden Macht über die Menschen zu etwas, dem sie sich bemächtigen. Heute nämlich macht mit der Metaphernsammlung Christentum jeder gewissermaßen das, was er persönlich will: annehmen, verwerfen, benutzen, auslegen, verändern. Natürlich missfällt diese unbestreitbare Entwicklung konservativen Beobachtern, doch dafür gibt es keinen guten Grund. Die Menschen dienen nunmehr nicht länger der Religion, die Religion dient den Menschen; und wenn sie unbedingt sein muss, dann soll sie so sein.
Vor einigen Monaten habe ich mich mit Samuel Schirmbecks Buch Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen beschäftigt. Darin plädiert er für eine offene Besprechung der Inhalte und Institutionen des Islams. Vernünftige Religionskritik steht in der Tradition der Aufklärung, weshalb ein solches Plädoyer eigentlich nicht notwendig sein dürfte. Die Islamophobie rechter Politiker hat jedoch dazu geführt, dass eine Differenzierung zwischen inhaltlichem Diskurs und menschenfeindlicher Hetze in Europa vielerorts nicht mehr vorgenommen wird. Schirmbeck, der als ARD-Korrespondent selbst zehn Jahre lang in Algier gelebt hat, beschreibt die Absichten seiner Ausführungen deshalb umsichtig gleich zu Beginn des Buches:

„Islamkritik bedeutet mitnichten, Muslime anzugreifen, sondern Schutz vor seinen menschenverachtenden Auswüchsen, die sich gegen Frauen, Homosexuelle, gegen eigenständig Denkende und sogenannte Ungläubige richten – also auch gegen Millionen von Musliminnen und Muslimen.“
[…]
„Dieser Islam in seinem jetzigen Zustand gehört nicht zu Deutschland und zu Westeuropa, die Muslime aber sehr wohl. Sie haben ihn nicht erfunden, sie sind nicht für die Islamverbände verantwortlich, die ihn vertreten, sie haben oft ihren eigenen Islam, der abseits der Dogmen ein eigenes, privates, kleines, säkulares Gärtchen duldet, […]“

Daraufhin erläutert er seine auf persönlichen Erfahrungen und Recherchen beruhenden Erkenntnisse über den Islam und seine Auswirkungen auf den Alltag. Er kritisiert etwa, dass die haram-Dogmatik oftmals alle Lebensbereiche durchdringt. „haram“ ist ein Adjektiv und bezeichnet verbotene Handlungen und Objekte, etwa Alkohol, vorehelichen Sex, Kleidungsnormen oder den Genuss gewisser Vergnügungen; es gibt eine Debatte darüber, ob Musik zu ihnen zu zählen ist oder nicht. Unnötig ist es zu erwähnen, dass diese Verbote die Lebensqualität der Menschen stark einschränken. Laut Schirmbeck sind sie aber auch deshalb problematisch, weil sie keine Ambivalenz zulassen und das kritische und eigenständige Denken verhindern sollen.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Unterscheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen im Koran. Besonders in den Suren 8 und 9 ist wiederholt von Krieg und Gewalt gegen Ungläubige die Rede. Sure 4, Vers 144 verbietet Muslimen die Pflege von Freundschaften mit Ungläubigen. Schirmbeck stellt die Frage, wie Integration in Anbetracht dieser Verse möglich sein soll und lässt den Einwand nicht gelten, dass sie ebenso wie die dunkleren Passagen der Bibel in einem bestimmten historischen oder textuellen Kontext zu lesen seien. Im Unterschied zum heutigen Christentum ist im Islam die Forderung nach der wortwörtlichen Auslegung des Korans als direktes Wort Gottes noch weit verbreitet. Schirmbeck sieht es als ein Versäumnis der Islamverbände an, sich nicht deutlich genug von solchen Forderungen und der Diskriminierung Ungläubiger zu distanzieren.
Im Buch findet sich eine Vielzahl von Verweisen auf Denker, Philosophen und Dissidenten muslimischer Herkunft. Schirmbeck nennt sie die Voltaires Nordafrikas und vermisst eine europäische Solidarität mit ihrem Bestreben für einen offeneren und menschenfreundlicheren Islam: Fethi Benslama, Abdennour Bidar, Chahla Chafiq, Soheib Bencheikh, Abdelwahab Meddeb, Kamel Daoud,… keiner dieser Namen war mir vor der Lektüre bekannt, und doch geht von ihnen und vielen anderen Menschen eine Bewegung aus, die größte Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient hat. Dazu zählt auch Seyran Ates mit ihrer vor einiger Zeit gegründeten Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, in der die Menschen ungeachtet ihres Geschlechts und ihrer religiösen oder sexuellen Orientierung willkommen sind. Laut Ates haben Terroranschläge wie jene in Barcelona „durchaus etwas mit dem Islam zu tun“. Viele der oben erwähnten Autoren stimmen darin überein, dass Islamismus als Teil des Islams eine Tatsache ist. In ihren Schriften üben sie scharfe Kritik an seiner politisch-ideologischen Ausprägung, über die Schirmbeck schreibt und die in vielen muslimischen Staaten herrschende Realität ist. Wer sich in Europa für eine Erneuerung und Modernisierung des Islams einsetzt, muss allerdings mit Gegenwind der Islamverbände rechnen. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie in Münster, schrieb in seinem Buch Gott ist Barmherzigkeit Folgendes:

„Das Kriterium der Religiosität ist nicht die Zahl der Gebete, die Länge des Bartes oder das Tragen eines Kopftuches, auch nicht, ob man sunnitisch oder schiitisch ist, ob man zu dieser oder jener Denkschule gehört. Das Kriterium ist, ob man an die Würde, die Freiheit und die Vernunft des Menschen glaubt – also an das Menschsein.“

Ferner kritisiert auch er die Unterscheidung von Gläubigen und Ungläubigen und lehnt es ab, sich Gelehrten und Traditionen bedingungslos zu unterwerfen. Die vier größten Islamverbände Deutschlands erklärten nach der Publikation des Buches, Khorchide bewege sich nicht auf dem Boden islamischer Theologie. Sie versuchten, seine Absetzung zu erreichen.

Aufklärerische Revolutionen gehen nicht von Institutionen, sondern von den Menschen aus. Es wird höchste Zeit, dass Europa selbstbewusst in deren vernünftige Kritik miteinstimmt und den konservativen Islamverbänden nicht länger den Rücken deckt. Schirmbeck spricht im Bezug auf die Flüchtlingsbewegung von einer großen Chance und meint damit die Möglichkeiten, die sich durch den interkulturellen Austausch ergeben. Vorurteile und falsche Vorstellungen werden abgelegt, aufklärerische Tendenzen werden befeuert; das ist seine Hoffnung.
Dieser Appell richtet sich meines Erachtens insbesondere an Menschen, die – wie ich – Atheisten und Religionsgegner sind. Unsere Schwierigkeiten mit dem Christentum in Europa sind heutzutage beinahe überwunden, unsere Diskussionen über Religion sind oftmals akademischer Natur und unvergleichbar mit den Problemen, denen muslimische Dissidenten ausgesetzt sind. Sie kämpfen für ein schöneres, freieres Leben, und werden dafür manchmal mit dem Tod bestraft.

Liebe Grüße
Mahiat

#3

Ich bin zurzeit damit beschäftigt, meine Dissertation in Mathematik abzuschließen. In den letzten Monaten hat es hier deshalb nur wenige neue Beiträge gegeben. Ich gehe aber davon aus, dass ich in nächster Zukunft wieder mehr Zeit für das Schreiben finden werde. Nach meinem Urlaub habe ich vor, einen Artikel über den Inhalt meiner Doktorarbeit zu verfassen. Meine Forschung beschäftigt sich mit einem Thema aus der elementaren Zahlentheorie, das auch für den mathematischen Laien verständlich und (hoffentlich!) interessant sein könnte.
Bevor ich in diesen zeitlichen Engpass geraten bin, habe ich mein drittes Buch fertiggestellt. Es handelt sich um einen kurzen Prosatext mit dem Titel Gottes Nachlass, für den ich nun einen Verlag suche.

Liebe Grüße
Markus