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Wie früher

31/01/2017

„Wirtschaftswachstum ist die oberste Maxime. Die Wirtschaft muss entfesselt und angekurbelt werden. Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut. Und Leistung muss sich endlich wieder lohnen. Wer sich bemüht, kann alles schaffen.“
Make America Great Again – das ist die politische Werbung der Gegenwart, die uns an das letzte Jahrhundert erinnern soll. Wir denken dabei an große Einfamilienhäuser, an drei Autos und vier Kinder, an Konjunktur und Boom. Der Mann war der Ernährer, die Frau kümmerte sich um den Nachwuchs. Leistung war stark nachgefragt und Konsum moralisch geboten. Es war eine Zeit, in der die Welt für Otto Normalbürger sicherer und stabiler schien als heute; eine Zeit, in der die Konsequenzen des Turbokapitalismus für ihn unsichtbar waren, in der die Menschen aus der „dritten Welt“ auch dort geblieben sind.
Diese Zeit ist vorbei und kommt nicht wieder. Die Leistungsgesellschaft ist ein Auslaufmodell. Der Boom ist tot. Es gäbe also Anlass, jubelnd die Hände über den Kopf zu werfen, sich über neu gewonnene Freiheiten zu freuen und über die Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit. Es gäbe eine Chance zu ergreifen. Stattdessen werden Leistungswillige aus allen sozialen Schichten immer noch mit Versprechen vertröstet, die unsere Gesellschaft einfach nicht mehr halten kann. Ein wirklich wirksames Mittel gegen Rechtspopulismus wäre, endlich mit diesen unbequemen Lügen aufzuräumen. Warum gestehen wir nicht zu, dass sich alles geändert hat? Dass Arbeitsplätze knapp werden und ein Leistungsüberschuss besteht? Dass es heutzutage nicht einfach ist, als Alleinverdiener eine ganze Familie zu erhalten? Dass nicht jeder von uns ein eigenes Haus haben kann, und wenn wir uns noch so sehr bemühen? Dass Konsum sowieso nicht moralisch geboten, sondern vielmehr moralisch problematisch ist? Ein Umdenken würde eine große Last von den Schultern frustrierter Bürger nehmen; insbesondere von jungen Männern, die unter falschen Idealen fragwürdiger Geschlechterstereotype sozialisiert wurden.
„Mehr arbeiten, mehr konsumieren“ – das ist Vergangenheit. „Weniger arbeiten, weniger konsumieren“ – das ist die Zukunft. Nur wenn wir ein dezenteres Leben führen und unsere persönlichen Ziele wirklich individuelle Ziele sind, können wir zufrieden sein. Nur wenn wir weniger Ressourcen verbrauchen, können wir diese Welt erhalten und für mehr globale Gerechtigkeit sorgen. Dies ist der einzige Weg zu politischer und sozialer Stabilität.

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