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Gottesmord

28/07/2016

„Gott mit uns“, das war ein Schlachtruf im römischen und im byzantinischen Reich. Schwedische Heere glaubten den Schöpfer ebenso mit sich wie die Reichswehr nach dem Ende der deutschen Monarchie. Während des zweiten Weltkrieges stand „Gott mit uns“ auf den Koppelschlössern der Soldaten der Wehrmacht geschrieben. Zu allen Zeiten war Gott der Beschützer der Kriegsleute und spendete ihnen Kraft und Trost. Wo immer Krieg ist, ist auch Gott. Aber auch in Friedenszeiten entfaltet Gott seine Wirkung und waltet in jedem, der es zulässt.

Nach Jahrhunderten der Aufklärung können wir mit einiger Zuversicht sagen: Gott ist kein Ding. Gott ist eine Idee, ist immer eine Idee gewesen. Eine Idee kann entstehen, kann sich verbreiten, kann in den Köpfen der Menschen leben. Eine Idee kann auch sterben. „Gott ist tot!“, rief der tolle Mensch in ‚Die fröhliche Wissenschaft‘ von Friedrich Nietzsche. „Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!“  Über 100 Jahre später haben wir immer noch nicht den Mut gefunden, seinen Leichnam endlich zu Grabe zu tragen.
Gott, das ist nicht einer oder eine, das sind viele. Gott ist meine Idee und deine, ist in mir ebenso tot, wie er in dir vielleicht lebendig ist. Ein einziger Gott in den Köpfen vieler wird durch seine Anziehungskraft auf die Massen aber nicht zu einem Ding, auch er muss Idee bleiben. Manche dieser Götter haben wie eine Krankheit grassiert und auch wie eine solche gewütet. Gefährlich ist all das, was neben sich nichts anderes duldet, und „Gott mit uns“ ein Schlachtruf ebenso furchtbar wie der Krieg selbst. „Gott mit uns, Gott mit denen, Gott mit keinem, Gott mit jedem“, wenn Gott schon sein muss.
Gott ist ein moralischer Fehler; oder wenigstens einem solchen Fehler verwandt, und zwar dem Verlust der Fähigkeit, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Wer seine Taten nur unter Berufung auf seinen moralischen Herrn rechtfertigen kann, kann es gar nicht. Wie häufig ist und war Gott eine Idee, die Vernunft gerade dort unterbinden will, wo nichts dringender gebraucht wird als Vernunft? Wo immer Gott zum Argument wird, wo immer er Gesetz ist, muss er Schaden anrichten.

Manch ein alter Gott lebt heute noch und ist der größte Teufel der Menschen, in deren Köpfen er sitzt. Jüngere Götter hingegen sind zahm und dienen ihren Wirten als Freunde. Lasset uns die alten Götter, diese Menschenfeinde, endlich überwinden! Lasset uns den Mut haben für das Eingeständnis, dass sie ein grauenhafter Sprössling unserer geistigen Schöpfung sind, den wir viel zu lange genährt haben. Lasset diese Götter verhungern und uns darauf hoffen, dass sie nie wieder lebendig werden. Ihr Nachlass soll der Einsatz für ein schöneres Leben sein; mit jüngeren Göttern oder, am besten, mit gar keinen.

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One Comment
  1. Genau! Ich hab mich oft schon gefragt, ob eine Welt ohne Religion nicht friedlicher wäre. Nicht Gott hat den Menschen erschaffen, sondern der Mensch Gott, damit er das Leben leichter ertragen kann und viele Verantwortungen wegschieben dazu

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