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Als Manderl, das auf Weiberl steht

01/04/2015

Ich diskutiere die verbalen Orgasmen der Unvernunft von belanglosen Gestalten der österreichischen Öffentlichkeit nicht gerne. Normalerweise lasse ich die Welle der Empörung möglichst spurlos an mir vorüberziehen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass solche Personen als meinungsbildende Autoritäten legitimiert werden, weil sich die Gesellschaft ständig mit ihnen beschäftigt. Gabalier ist im letzten Jahr zur Ikone des konservativen Volksempfindens mutiert. Dabei gibt es keinen vernünftigen Grund, seinen Ansichten auch nur ansatzweise mehr Beachtung zu schenken, als jenen vom Stammtischvorsitz im lokalen Wirtshaus. Der einzige Unterschied ist, dass Gabalier die Bühne und die Fans hat. Mit beidem weiß er sehr gut umzugehen.

Ich schreibe diesen Beitrag deshalb, weil ich mit allen Gruppierungen in unserer Gesellschaft solidarisch bin, die nicht die juristischen und sozialen Rechte genießen, die ihnen eigentlich zustehen sollten. Die Bewegungen, die sich für diese Rechte einsetzen, müssen unterstützt werden; auch oder sogar erst recht von jenen, die nicht zu den Betroffenen zählen. Die Rechte von Tieren, die Rechte von Behinderten, die Rechte von Homosexuellen, die Rechte von Immigranten und die Rechte von Frauen dürfen nicht allein als Sache von Tieren, Behinderten, Homosexuellen, Immigranten und Frauen betrachtet werden. Ungerechtigkeiten betreffen jeden, der sich eine gute Welt wünscht, in der alle zufrieden leben können. Das ist ein Appell, den ich an euch richten möchte. Und ich denke, dass es in Anbetracht der derzeitigen Debatte ein guter Zeitpunkt ist, diesem Aufruf Folge zu leisten.
Ich bin ein weißer, heterosexueller, gesunder Mensch in den Zwanzigern. Ich bin ein Mann. Ich bin in Mitteleuropa aufgewachsen und lebe dort. Ich gehöre zu keiner der juristisch oder sozial benachteiligten Gruppierungen in unserer Gesellschaft. Daran möchte ich auch nichts ändern. Das hat nichts mit Vorbehalten meinerseits zu tun. Es ist ein Schluss aus statistischen Fakten und persönlichen Lebenserfahrungen und aus der damit einhergehenden Erkenntnis, dass Abweichungen von dieser Norm, der ich entspreche, zu Problemen führen können. Diese Probleme reichen von kleineren zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen und Unannehmlichkeiten über Hindernissen in der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bis hin zu existentiellen Bedrohungen. Die Schwere der Probleme korreliert mit der Abweichung zur Norm.

Als weißer, heterosexueller Mitteleuropäer bin ich ja quasi identisch mit dem Herrn Gabalier und allen anderen, die sich selbst und ihre Umwelt auf solche Merkmale reduzieren. In dieser Position will ich etwas feststellen: Als Manderl, das auf Weiberl steht, hat man es in dieser Welt nicht schwer. Jedenfalls nicht deshalb. Punkt. In Anbetracht des Widerstandes, mit dem homosexuelle und transsexuelle Menschen in unserer Gesellschaft zu kämpfen haben, sind Gabaliers Aussage und der damit einhergehende konservative Beifall nichts anderes als purer Hohn. Dieses Verhalten ist ein Resultat der Angst des Privilegienverlustes von Leuten, denen es nicht schmeckt, dass auch andere jene Rechte einfordern, von denen sie denken, dass nur sie sie haben sollten. Es wirkt trotzig und kindisch, und eigentlich weiß niemand so genau, was es überhaupt bedeuten soll.

Liebe Grüße,
Mahiat

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4 Kommentare
  1. auch du bist einer sozial benachteiligten Gruppierung zugehörig (its the economy, stupid)

    • Was meinst du damit?

      • Mich beschäftigt grad sehr das Missverhältnis Arm-Reich, also die zunehmende Umverteilung von unten nach oben in den kapitalistischen Ländern.
        sozial benachteiligt, da du nicht zu der kleinen, privilegierten Schicht der Reichen gehörst, also zu den Gebern, nicht zu den Empfängern.

      • Das ist in meinen Augen eine andere Problematik. Im Artikel habe ich mich vielmehr auf die Diskriminierung wegen inneren oder äußeren Merkmalen bezogen, also etwa auf der Basis des Geschlechts, der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung oder der Spezies.

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