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Zum Exzess

24/07/2014

Der Exzess ist beliebter als das reine Glück. Die Momente des gesellschaftlichen Exzesses sind die wunderbarsten und die dunkelsten der Menschheitsgeschichte, dazwischen sammeln sich die Belanglosigkeiten, an die sich keiner erinnert, die daher niemand erzählen kann und die auch gar keiner hören will. Der Exzess scheint eine alternativlose Entwicklung in allen schweren Konflikten zu sein. Er kehrt alle inneren Schicksale nach außen und ist dann eine kaum erträgliche und gleichsam unübersehbare Quelle maßloser Leiden, durch die er sich zur Wahrnehmung verhilft.

Die Menschen arbeiten exzessiv und konsumieren exzessiv. Ihre Ansprüche befriedigen sie mit Absolutem, Vollem und Totalem, mit Hundertprozentigem oder wenigstens Hochprozentigem, und höchstens der, der erschöpft zusammenbricht, hat sich ausreichend belastet, erst wer sich überfressen und übergeben hat, war richtig satt. Die Stoffe des Exzesses rauschen in ihr Blut und sie scheiden sie nie wieder aus. Sie sammeln sich in ihren Lebern, Lungen, Hirnen und Herzen und ersticken die Flammen des Gemüts. In der Welt des Exzesses muss eine Hälfte ersaufen, während die andere verdurstet. Sie ist eine riesige Enttäuschung. Das wird sie immer sein.

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