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Die Suche

05/04/2014

Vom Werkzeug allein sollte sein Erfolg nicht abhängig sein. Seine Ausrüstung war nicht vollständig und von der Hälfte der Dinge, die er mit sich trug, konnte er gar nicht sagen, wofür sie zu gebrauchen waren. Andere suchten effektiver und schneller als er, suchten auch schon länger und hatten Erfahrung mit diesen und mit anderen dämmrigen Orten. Er war zum ersten Mal hier und es war rabenschwarz. Man hätte ihn deshalb für einen Stümper halten können, der sich unnötig in Gefahr brachte. Doch abgesehen von der Dunkelheit, in der man sich tatsächlich leicht verlieren konnte, verbarg sich vor ihm nichts Gefährliches. Das wusste er. Und weil er eine gute Nase hatte, glaubte er sich in einem nicht unbedeutsamen Vorteil; dass er nämlich eine Ahnung hatte, wonach er überhaupt suchen musste. Von Anfang an begleiteten ihn diese Vermutungen und Vorstellungen, und das ermöglichte die Suche überhaupt erst und nährte seine Überzeugung, dass die Bemühungen nicht vergebens sein würden. Doch die Dunkelheit war unbarmherzig und erstickte jeden aufflammenden Hoffnungsschimmer rasch. Nicht selten zwar waren diese kurzen Momente des Lichts und der Freude, in denen er glaubte, etwas gefunden oder zumindest kurz gesehen zu haben; doch dann wurde es wieder dunkel, der Moment starb, die Freude war dahin. So wirkte diese Suche insgesamt recht enttäuschend und frustrierend, der Suchende aber war mit bubenhafter Naivität erfüllt und rannte von einem Hoffnungsschimmer zum nächsten, immer weiter in die Dunkelheit hinein, bis sie ihn ganz umschlossen hatte, bis er ganz alleine war.

In dieser Tiefe zu schürfen, das schien ihm beschwerlicher, langwieriger und erfolgversprechender als all seine bisherigen Mühen. Vieles, das er mit sich trug, war ihm nun eine Belastung, weshalb er wegwarf, was er nicht gebrauchen konnte. Und dann grub er, wie von Sinnen, mit bloßen Händen in der Finsternis, und hörte nie mehr auf.

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