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Zur gemeinen Bosartigkeit

08/08/2013

Es ist zuweilen eine schwere Aufgabe für nachdenkliche Menschen, sich der politischen Auseinandersetzung mit bestimmten Themen bewusst zu entziehen; beziehungsweise der Beschäftigung mit dem, was bestimmte Leute zu bestimmten Themen gesagt haben. Und auch die Belohnung für die Vermeidung des Kontaktes mit tagesaktuellen Nachrichten ist kaum spürbar, denn die Seeligkeit des Unwissenden ist höchstens retrospektiv befriedigend. Der durch den neugierigen Trieb motivierte Blick in die Medien bleibt einem deshalb nur selten erspart und führt allzu oft zur schon längst routinierten Reaktion des Staunens, die manchmal mit einem Anflug einer wütenden und alsbald verflogenen Empfindung einhergeht und vielleicht sogar in offensivem Tatendrang gipfelt, der jedoch ebenso rasch und eindruckslos wieder verschwindet.
Die Verwunderung ist Folge der direkten Konfrontation mit der öffentlich zum Ausdruck gebrachten Dummheit, mit der Arroganz und der Bosartigkeit, mit dem Egoismus und der Selbstinszenierung, die sich mit der völligen Ignoranz des persönlichen Schicksals, der Gefühle und der Bedürfnisse anderer, zumeist ganz bestimmter Menschen paart. Es sind Kommentare in immergleichen Worten und Phrasen, mit der durchschaubaren Rhetorik und den gleichermaßen primitiven Argumentationsschemata, falls Begründungen für das Gesagte nicht ohnehin gänzlich fehlen. Es sind unüberlegte Beiträge zu juristisch komplizierten Fällen, die überdies der emotionalen Tiefe der Thematik und der existentiellen Bedeutung, die sie für manche Menschen hat und die von den empathischen Mitgliedern der Gesellschaft mühelos nachempfunden werden kann, in keiner Hinsicht gerecht werden.

Umso erstaunlicher und unerträglicher mutet die beinah schmerzliche Berührung mit diesen Gestalten und ihren geistigen Auswüchsen an, wenn man sich ihren Einfluss und ihre universale Präsenz vergegenwärtigt, die sie auf populistischer Ebene innehaben; sind es doch gerade die Aussagen dieser Leute, die von allen Seiten besprochen und kritisiert, auseinandergerissen oder bewundert, abgelehnt oder befürwortet werden, während unzählige intellektuelle und argumentative, rein rationale Besprechungen der entsprechenden Thematik, auch fachlich kompetente Ratschläge oder gar Expertisen dazu gänzlich auf der Strecke bleiben, weil ihnen die Breitenwirkung für die nötige Aufmerksamkeit fehlt; weil sie nicht ignorant, selbstinszenierend, egoistisch, bosartig, arrogant oder dumm sind und deshalb uninteressant für den Bürger, der nur auf die Provokation reagiert und sich dann aufbläst und beteiligt an dieser trostlosen Farce, oft unwissentlich und mit der allerbesten Absicht.
Den erstaunten Reflex könnte man wohl ob der fast alltäglichen Gegenüberstellung mit medial propagierter Rücksichts- und Morallosigkeit verlieren. Doch dieser Zustand scheint sich nicht einzustellen; selbst dann nicht, wenn man alles andere als naiv ist, grundsätzlich nicht das Beste vom Menschen erwartet und trotzdem regelmäßig enttäuscht wird.

Liebe Grüße,
Mahiat

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