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Zur Solidarität mit Homosexuellen

27/06/2013

Die Diskussion um die Rechte Homosexueller hat eine große und weithin unterschätzte Bedeutung für die Lebenspraxis vieler Menschen. Als Kampfthematik und Herzensanliegen wird sie aufgrund ihrer emotionalen Tragweite von unterschiedlichen Kräften politisch instrumentalisiert. Konkret geht es zumeist um die Einführung einer gleichgeschlechtlichen Ehe und die allgemeine Möglichkeit der Adoption für homosexuelle Partner. Im folgenden Text werde ich mich nicht nur mit der Argumentation der einzigen Position beschäftigen, die ein vernünftiger Mensch meines Erachtens zu diesen Fragen beziehen kann, sondern auch mit den Kommunikationsschwierigkeiten, die zwischen den Vertretern der unterschiedlichen Ansichten bestehen.

Nach ausgiebiger Recherche, Reflexion und Beschäftigung mit den moralischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen, die die juristische Legitimierung homosexueller Lebensweisen peripherieren, habe ich eine in kontroversen Angelegenheiten ganz und gar unübliche Konsequenz ziehen können. Demnach gibt es keine einzige vernünftige Begründung dafür, die Rechte homosexueller Menschen in den genannten Bereichen auf irgendeine Weise einzuschränken. Was von den zumeist konservativen Gegnern in die Debatte geführt wird, ist eine Ansammlung von Lobeshymnen und Hochgesängen auf ihre unhinterfragten und gleichsam romantischen wie ignoranten Vorstellungen von Normalität, die sie durch die Berufung auf religiöse Autoritäten oder traditionelle Konzepte rechtfertigen. Dabei formulieren sie kein einziges Argument von objektiver ethischer Relevanz, das ihre Intoleranz Schwulen und Lesben gegenüber auf eine vernünftige Basis stellt. Es gelingt ihnen nichts, das nicht bloß ein Ausdruck oder eine Umformulierung von „Das missfällt uns.“ ist.
Für mich waren die vergangenen Proteste in Frankreich nach der dortigen Einführung der Homosexuellenehe ein purer Inbegriff des ideologischen Wahnsinns, eine geballte Faust der Unvernunft, die auf das persönliche Glück zahlloser Liebender einschlug und nicht anständig erklären konnte, warum. Man bekommt seither in dieser Beziehung etwa oft zu hören, dass die Ehe verfassungsmäßig als Verbindung von Mann und Frau definiert sei, dass dieses oder jenes in der Bibel stünde und dass ein Kind nunmal von Mann und Frau erzeugt wird. Es erscheint mir so, als würden viele Gegner der Liberalisierung ihre moralischen Schlussfolgerungen aus diesen überaus trivialen Tatsachen ziehen und sich anschließend wundern, warum man so stupide ist und ihrer doch so simplen Überlegung nicht folgen will.
Tatsächlich bedarf es auch keinem schwierigen Gedankengang, um entsprechende Gesetzeserlässe als richtige und wegweisende Entscheidung zu erkennen. Man muss lediglich akzeptieren, dass „Wem nützt und wem schadet es?“ die salopp formulierte, aber schlichtweg einzige relevante Frage ist, und nicht etwa die, ob die eigenen Vorstellungen von Romantik oder die eines gottgefälligen Familienbildes gewahrt bleiben. Nun gibt es aber keinen Anlass anzunehmen, dass eine gesellschaftliche Anerkennung von Partnerschaften der Minderheit homosexueller Menschen die Heterosexualität in irgendeiner Form tangieren oder gar verdrängen würde. Es entsteht hier also kein Schaden, während vielen Menschen eine große Freude durch öffentlich zelebrierte Toleranz und Akzeptanz bereitet wird. Gleichwohl muss erklärt werden, weshalb es für ein Kind schädlich sein soll, wenn beide Erziehungspersonen dasselbe Geschlecht haben. Auch hier ist mir noch nichts Vernünftiges zu Ohren gekommen. Hingegen gibt es derart zahlreiche und allseits bekannte Argumente gegen diese Auffassung, dass ich mich mit dieser Sache gar nicht mehr länger aufhalten möchte. Oft ist es aber sogar für einen Außenstehenden wie mich unglaublich traurig mitanzusehen, aus welchen Gründen gegen das potentielle Glück anderer gekämpft wird, gleichermaßen gegen das der lesbischen und schwulen Paare wie gegen das der Waisenkinder.

„Und gerade diese Leute sind es, für die das Normale das Eigene und das Eigene das Normale bedeutet, für die es allein das Maß aller Dinge ist, die Ekel beim Anblick jeder Absonderlichkeit empfinden und die in den engen Grenzen ihrer einfachen Gedankenwelt und Gewohnheit leben, weil sie nichts davon verstehen und nichts davon verstehen wollen, was in fremden Köpfen und in fremden Herzen vor sich geht.“ Das habe ich vor längerer Zeit in „Zur Homosexualität“ geschrieben, in dem ich mich mit einigen wesentlichen Punkten dieser Thematik auf nähere oder andere Weise auseinandergesetzt habe. Damit möchte ich auch diesen Artikel enden lassen. Ein Negativbeispiel der letzten Tage ist der BZÖ-Politiker Martin Stiglmayr, dessen Rede zum Thema hier abrufbar ist. Auch wenn es sich um ein unbedeutendes Mitglied einer unbedeutenden Partei handelt, hätte ich mir im Angesicht der dramatischen Äußerungen doch einen größeren öffentlichen Aufschrei erwartet.

Liebe Grüße,
Mahiat

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