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Zum Machtmissbrauch

07/08/2012

In diesen Tagen wird das Sommerloch medialer Berichterstattung mit einem hierzulande zurzeit sehr brisanten Thema gefüllt. Es hat sich nicht nur gegenwärtig, sondern auch in der Vergangenheit schon oftmals ein Verdacht der Korruption österreichischer Politiker erhärtet. Da der Machtmissbrauch hoher Ämter zum eigenen Vorteil geradezu Tradition hat, will ich mich im heutigen Beitrag mit seinen Ursachen beschäftigen.

Man mag die Überzeugung haben, dass es sich als guter Mensch mit den rechten Vorsätzen nicht allzu schwer gestalten lässt, selbiger in allen Lebenssituationen zu bleiben. Ganz leicht fällt man dann das Urteil über diejenigen, die einen Verrat begangen haben, und gleich wirft man ihnen vor, schlechte Menschen zu sein, die ihre Prinzipien allein deswegen nicht verraten konnten, weil sie nie welche hatten. Eine andere Ursache als die der ureigenen, grundlosen, daher dem Menschen direkt vorzuwerfenden Schlechtigkeit kann man sich nicht denken.
So wie ich der Ansicht bin, dass diese Überzeugung in die Irre führt, so scheint mir auch, dass gerade jene den unstetesten Charakter haben und das leichteste Opfer verführerischer Macht sind, die sie vertreten. In allen Lagen gleichermaßen standhaft und vom eigenen Glanz unbeeindruckt hingegen ist die Demut. Sie ist gewiss die hilfreichste Eigenschaft eines jeden, der seinen Einfluss nutzen will, um in erster Linie anderen, nicht sich selbst zu dienen. Mit ihr verbunden ist die Erkenntnis, dass der Mensch beim Zusammenkommen bestimmter Umstände dazu tendiert, der Befriedigung eigener Begierden den Vorrang vor denen anderer zu geben, und dass dies kein seltenes Verhalten allein derjenigen Personen ist, die man gerne schlecht heißt, sondern ein natürliches, in dessen Fänge jeder geraten kann. Niemand muss mehr gegen diese ihm innewohnende Neigung ankämpfen als der, der in einer einflussreichen Position ist, ja schlimmer und gefährlicher noch, gar andere Menschen in seinen Händen hat. Die Macht, wenn sie auch eine gute Prüfung für den Charakter sein mag, eignet sich nicht zur Verbesserung desselben.

Demut heißt, die Unzulänglichkeiten des Menschen zu sehen und sie als die eigenen zu erkennen. Demut heißt, niemanden zu bewundern und niemanden zu verabscheuen. Demut heißt, die Fehler der anderen in sich selbst zu sehen. Demut heißt, sich selbst nicht zu trauen. Wie nämlich könnte man gegen den eigenen Egoismus ankämpfen, wenn man sich einredet oder ernsthaft glaubt, dass er nicht existiert? Niemandem kann ich weniger Vertrauen schenken als dem, der mit beständiger Unermüdlichkeit auf all die Fehler zeigt, die andere haben mögen, und sich selbst nicht den kleinsten Irrtum eingestehen will. Anhand dieser Gedanken sieht man eines sehr rasch: Wer sich über Kritik aller Art, insbesondere aber über aufrichtige Selbstkritik erhaben glaubt, kann sich gegen die verführerischen Kräfte der Macht kaum wehren, denn er ist unbewaffnet.

Liebe Grüße,
Mahiat

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