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Zum Geld

04/04/2012

Wer bereits mein Buch „Bessarius und Molle“ gelesen hat, der wird bemerkt haben, dass ich in selbigem den Themen Geld und Reichtum zwar eine gewisse Wichtigkeit einräume, den Gedanken dazu allerdings nicht allzu viel Platz gebe. Vor längerer Zeit habe ich mich jedoch mit der Geschichte des Geldes und der Geldkritik intensiver befasst und auch einen längeren Essay dazu geschrieben, aus dem ich beispielsweise im Artikel „Zum Wert“ zitierte. Tatsächlich habe ich bereits in zahlreichen Artikeln über Geld gesprochen, meist aber ist es bei recht kurzen Ausführungen geblieben. Daher soll der heutige Eintrag in erster Linie eine ergänzende Zusammenfassung davon sein.

Als Verfasser der Beiträge dieses Blogs kann ich natürlich sehen, dass ich manchmal über Themen schreibe, die auf nicht allzu großes Interesse stoßen. Das liegt, so meine Einschätzung, vor allem daran, dass dies exotische Problematiken sind, über die sich nicht wirklich viele Menschen Gedanken machen und mit denen sich auch nicht jeder beschäftigt. Man kann wohl sagen, dass das beim lieben Geld gewiss nicht so ist. Über eine Angelegenheit dieser Art, die so unmittelbar bedeutend für den Alltag in unserer Gesellschaft ist, macht sich im Grunde jeder Mensch Gedanken. Worin aber besteht der eigentliche Wert des Geldes? Für jeden sollte unmittelbar einsichtig sein, dass er nicht im Material selbst liegt. Papier könnte man besser nutzen, als es unzählige Male mit ein und demselben Motiv zu bedrucken. Der Wert wird dem Geld von jenen gegeben, die es benützen. Dass Geld wertvoll ist, ist sozusagen eine gesellschaftliche Konvention, die auch nur in entsprechender Gesellschaft gültig ist. Ein Gedankenbeispiel soll das verdeutlichen: Wenn ich Eingeborenen im Dschungel Afrikas einen Koffer mit 1.Mio Dollar bringe, so wüssten diese nichts Besonderes damit anzufangen. Sie würden den Inhalt vermutlich verbrennen oder auf eine andere Weise verarbeiten, da er in ihrer Gesellschaft keinen großen Wert hat.
Das ist soweit nicht besonders überraschend, wenn man sich erst einmal im Klaren darüber ist, dass es kein Ding gibt, das an sich wertvoll ist. Wert wird stets zugewiesen. Wenn ich etwa in Erfahrung bringen will, ob oder wie wertvoll etwas oder jemand ist, muss ich zuallererst die entscheidende Frage stellen: Für wen? So hat auch Geld nicht für alle Mitglieder unserer Gesellschaft dieselbe Bedeutung. Insbesondere wird eine bestimmte Summe davon von verschiedenen Leuten ganz unterschiedlich bewertet, je nachdem, wie wohlhabend oder arm die betreffenden Personen sind. Und wer zuviel vom Geld hat, schätzt auch den Wert größerer Summen als im Vergleich ganz unverhältnismäßig gering ein und begeht rasch den Fehler, sich davon abhängig zu machen. In Bessarius und Molle schreibe ich dazu: „Ein reicher Mensch nimmt den finanziellen Überfluss schon nach kurzer Zeit als gegeben hin und kann sich daran nicht mehr ergötzen. Er ist im Gegenteil sogar leidempfindlicher, da er an einen hohen Lebensstandard gewöhnt ist, den er jederzeit verlieren kann. Glücklich sind allein die Bedürfnislosen. Ihnen könnte man bereits eine warme Mahlzeit zum schönsten Geschenk machen. Der Mensch, und dies ist äußerst wichtig, Molle, verlernt, die Dinge zu schätzen, die er im Überfluss besitzt.“ (S. 50, Bessarius an Molle)
Das Problem liegt in der Selbstverständlichkeit, mit der wir uns an alles gewöhnen, das wir neu erworben haben. Besonders die Freude über materielle Güter währt stets kurz, und deren Wert geht vor allem dann verloren, wenn wir finanziell dazu in der Lage sind, sie zu ersetzen. Eine Voraussetzung für Wert ist daher der Mangel, denn ein Ding, das ersetzbar oder in Masse vorhanden ist, kann nicht wertvoll sein. Dasselbe gilt ja beispielsweise für unsere Gesundheit oder für vergleichbar hohe Güter, welche uns normalerweise so selbstverständlich sind, dass wir sie leider erst zu schätzen lernen, wenn wir sie einmal verloren haben. Ein weiterer Nachteil des Reichtums liegt in eben der Gewöhnung und in der Abhängigkeit, von der ich gesprochen habe. Wer sich der Wirkung des Überflusses nicht bewusst ist, ist sich oft auch nicht im Klaren darüber, welch enormes Leidpotential sich in diesem Zusammenhang auftun kann. Tatsächlich sind viele reiche Menschen bedürftig; sie bedürfen des Geldes, des Überflusses, können nurnoch mithilfe gewisser Standards und unter bestimmten Umständen leben, und der Verlust einer Selbstverständlichkeit, an die man sich gewöhnt hat, bereit oft große, manchmal unerträgliche Schmerzen.

Angesichts der Tatsache, dass wir den Wert des Geldes quasi erfunden haben, hat der Ernst, mit dem wir täglich damit umgehen, in manch nachdenklicher Minute einen äußerst komischen Beigeschmack. Wer aber in unserer Gesellschaft leben will, der tut gut daran, möglichst genug Geld zu besitzen, um sich nicht mit finanziellen Sorgen plagen zu müssen. Viele Menschen sind jedoch gar der Ansicht, dass man nicht zuviel des Geldes haben kann. Eine Botschaft dieses Artikels soll sein, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Weiters möchte ich darauf hinweisen, dass ich, soweit ich in diesem Artikel von „den Reichen“ gesprochen habe, im Grunde fast jedes Mitglied unserer Gesellschaft gemeint habe. Im globalen Vergleich sind wir alle reich, alle bedürftig und abhängig, alle Kinder des Überflusses. Die einen mehr, die anderen weniger.

Liebe Grüße,
Mahiat

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