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Zur Kausalität der Meinung

18/02/2012

Vor einigen Wochen kursierte im Internet eine Studie über den Zusammenhang zwischen Intelligenz und politischer Ansicht. Hierzu ein Link aus der Süddeutschen.

Dass das nicht die erste wissenschaftliche Untersuchung ist, die sich mit diesem Gegenstand befasst und zu einem solchen Ergebnis kommt, hat wohl den Grund, dass es uns intuitiv nicht sonderlich abwegig erscheint, diese Verbindung herzustellen. Wie viele andere Faktoren trägt selbstverständlich mitunter auch die Intelligenz einen mehr oder weniger bedeutenden Teil dazu bei, welche Standpunkte wir zu umstrittenen Fragen einnehmen. Schlussendlich entscheidet die Summe all dieser Faktoren, für welche Positionen wir uns entscheiden. Ganz wichtig sind auch die persönlichen Erfahrungen, die man in seinem sozialen Umfeld erlebt. Oft wird in Angelegenheiten, die auf einer rein argumentativen und rationalen Ebene diskutiert werden, auf die emotionale Komponente völlig vergessen. Und gerade, wer in Streitgesprächen einzig damit beschäftigt ist, sich mit der eigenen Haltung gegen andere durchzusetzen, sollte sich darüber im Klaren sein und sich das dabei immer mal wieder vor Augen halten.
Jeder Mensch vertritt seine Meinung mit einer für ihn selbst völlig schlüssigen und nachvollziehbaren Begründung. Ein jeder hängt mit großer, emotionaler Überzeugung an den Ansichten, zu denen er in seinem Leben gekommen ist. Ob es sich um politische, philosophische oder religiöse Streitfragen handelt, ist dabei nicht von Bedeutung. Ob Rechte oder Linke, ob Atheisten oder Erzkatholiken, die Überzeugung, im Recht zu sein, ist allen gemein. Und die Bedeutung eines treffsicheren Arguments könnte in manchen Fällen keine geringere sein. Denn im Grunde feindet man sich hinter der verlogenen Höflichkeit stets an und spricht miteinander in dem Glauben, dass der eine dem andern schaden will, und dass man bei schlechtem Ausgang der Diskussion auch das verlieren würde, was man für seine persönliche Ehre hält. Wie selten ist ein Gespräch wie das Ideal eines Dialoges zwischen Philosophen, in dem es um objektive Wahrheit geht?

Arthur Schopenhauer hat in seinem kurzen Text „Die Kunst, Recht zu behalten“ diesen Sachverhalt gleich auf den ersten Seiten festgestellt, um dann in Folge eine Reihe von Kunstgriffen anzuführen, mit denen man in Streitgesprächen die Oberhand behält, selbst, wenn man eigentlich im Unrecht ist (im Übrigen sehr zu empfehlen):
„Woher kommt das? – Von der natürlichen Schlechtigkeit des menschlichen Geschlechts. Wäre diese nicht, wären wir von Grund aus ehrlich, so würden wir bei jeder Debatte bloß darauf ausgehen die Wahrheit zu Tage zu fördern, ganz unbekümmert, ob solche unsrer zuerst aufgestellten Meinung oder der des Andern gemäß ausfiele: dies würde gleichgültig, oder wenigstens ganz und gar Nebensache seyn.“

Mit der Einstellung, die ich zur Bestimmtheit der Kausalität eingenommen habe, halte ich es für schwierig, jemandem seine Überzeugungen zum Vorwurf zu machen. Denn was soll Grundlage des Vorwurfs sein? Man müsste ihm ja selbst seine Erlebnisse zur Last legen, und die falsche Art und Weise, wie sein Verstand diese interpretiert hat. Unter dem Gesichtspunkt der oben angeführten Überlegungen scheint es mir nicht immer richtig, die Meinungen der Menschen mit dem Versuch einer rationalen Begründung zu zerschlagen. Vielleicht wäre es oft besser, stattdessen den Versuch zu wagen, ihre Meinungen, ihre falschen Grundlagen und ihre Vorurteile aus ihrer Sicht verstehen zu können.

Liebe Grüße,
Mahiat

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