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Zu Studiengebühren

26/10/2011

Österreichs öffentliche Universitäten sind zurzeit gebührenfrei zugänglich. Gegenwärtig wird aber die Möglichkeit in Betracht gezogen, wieder Studiengebühren einzuführen. Dies ist eine Frage, in der sich gute Argumente sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite finden lassen, und die man deshalb möglichst sachlich und ausführlich diskutieren muss. Ich möchte hier kurz meine Sicht der Dinge darstellen und diese begründen.

Eine häufige Vorgangsweise bei solchen Diskussionen ist der Vergleich mit anderen Ländern. Hohe Studiengebühren finden sich beispielsweise in den USA, während es in skandinavischen Ländern freien Bildungszugang und Förderungen für jeden Studenten gibt. Die Bildungsbeteiligung ist dort dementsprechend hoch. Eine interessante Zusammenfassung internationaler Verhältnisse ist im Internet leicht zu finden, beispielsweise auf Wikipedia.
In studiengebührenfreien Staaten muss der Steuerzahler für die Ausbildung aufkommen. Eine vieldiskutierte Frage ist es, ob es gerecht ist, wenn jeder steuerpflichtige Bürger das Studium anderer finanzieren muss. Ich würde das auf jeden Fall bejahen. Gibt es in einem Land viele Studenten und ein hohes Bildungsniveau, so ist das mit indirekten Vorteilen für alle verbunden; ob wir nun von einer Verbesserung ökonomischer Verhältnisse sprechen, von technologischen Innovationen oder von gut ausgebildeten Ärzten, Führungskräften und Politikern. Eine hohe Akademikerquote erhöht die Lebensqualität und korreliert mit positiven Lebensumständen für die Gesamtbevölkerung, das lässt sich in vielen Staaten beobachten.
Mit denselben Argumenten, mit denen man begründen kann, weshalb der Besuch öffentlicher, höherer Schulen nicht mit Kosten verbunden sein sollte, kann man zeigen, weshalb man denkt, dass das auch für öffentliche Universitäten gültig sein soll. „Was nichts kostet, ist nichts wert.“, das ist der Leitsatz von vielen Befürwortern der Studiengebühren. Ich frage mich: Ist die Erlangung der Universitätsreife durch die Matura an einer öffentlichen Schule nichts wert, weil man dafür nicht bezahlen muss?

Ich bin kein Verfechter der Studiengebührenfreiheit. Ich halte sie aber für ein Ideal, weil sie zumeist mit einem hohen Bildungsgrad der Gesamtbevölkerung einhergeht und die Ausbildung nicht an eine finanzielle Bedingung knüpft, die bei entsprechender Gebührenhöhe nicht von jedem erreicht werden kann und für viele mit großen Schwierigkeiten und Verschuldungen verbunden ist. Im Idealfall also sind öffentliche Bildungseinrichtungen dazu in der Lage, auch ohne die Erhebung von Gebühren ein gutes Niveau zu gewährleisten. Ich bin mir dessen bewusst, dass unsere universitären Zustände nicht in jeder Hinsicht diesem Ideal entsprechen und es dahingehend Untersuchungen gibt, ob eine Einführung der Studiengebühr gewisse Probleme lösen könnte. Insofern betrachte ich die Studiengebühr dann als zulässig, wenn sie unbedingt notwendig ist, um ein entsprechendes Niveau auf öffentlichen Universitäten zu erhalten oder wiederherzustellen. Ob diese Situation in Österreich gegeben ist, das weiß ich nicht, und das wird sich wohl im Laufe der nächsten Monate herausstellen.

Liebe Grüße,
Mahiat

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