Skip to content

Zur Zivilcourage

26/09/2011

Ich habe heute einen aufschlussreichen Artikel im OnlineStandard entdeckt, den ich euch nicht vorenthalten möchte.
http://derstandard.at/1317018480945/Fehlende-Zivilcourage-Mehr-als-drei-Viertel-aller-Autolenker-ignorieren-Unfallopfer

Ich zitiere daraus:
„Ein demoliertes, leicht rauchendes Auto am Rand einer stark befahrenen Bundesstraße, daneben sitzt benommen ein junger Mann. Die normale Reaktion der vorbeikommenden Autofahrer? Weiterfahren. Das ist zumindest das Ergebnis eines Experiment des Autofahrerklubs ÖAMTC im Burgenland.“
Laut Standard sind nur 38 von 248 Autofahrern stehengeblieben, und das, obwohl die Situation in einer Umgebung gestellt war, in der gefahrloses Anhalten ohne Probleme möglich war. Diejenigen, die nicht stehenblieben, fanden folgenden Gründe dafür (Zitat):
„“Ich habe mir gedacht, der ist wohl verunfallt, aber es ist schon länger her und er schaut sich den Schaden am Auto an“ , sagte beispielsweise eine 24-Jährige. „Das gibt’s ja gar nicht: Es kann da gar nicht passiert sein, dass sich da wer überschlägt“ , war ein 71-Jähriger überzeugt. Wieder andere argumentierten, dass sie weitergefahren seien, da es alle anderen auch gemacht hätten.“

Diese Gruppendynamik ist wohl der schwerwiegendste Grund für das Fehlverhalten der meisten Autofahrer. Man mag die unterlassene Hilfeleistung widerwärtig oder abstoßend finden, Fakt ist jedoch, dass derartige Experimente und Studien nicht zum ersten Mal durchgeführt wurden. Es ist wohlbekannt, dass man in Situationen, in denen Zivilcourage gefragt ist, nur selten mit der Hilfe Fremder rechnen kann. Wer von derartigen Ergebnissen hört, lässt sich im Regelfall darüber aus; doch die Zahlen sagen, dass sich über 80% aller Leute genau auf diese Weise verhalten würden, die sie so abartig finden, wären sie selbst damit konfrontiert. Wer die Welt verbessern möchte, soll bekanntlich ja bei sich selber anfangen. Je mehr Leute sich auf diese ehrliche Weise einen Spiegel vorhalten und sich selbstkritisch und aufrichtig fragen, wie sie tatsächlich reagiert hätten, desto mehr würden in einer derartigen Situation dann faktisch stehenbleiben und Hilfe leisten. Es ist wichtig, sich damit in Gedanken auseinanderzusetzen und sich auf ein solches Geschehnis mental vorzubereiten, da die natürliche Reaktion des Menschen in dieser kurzen Sekunde der Wahrnehmung einer Gefahr oftmals jene falsche ist, sich möglichst nicht zu involvieren und also das Weite zu suchen.

Dass wir Menschen auf diese Weise oft egoistisch motiviert handeln und Hilfe im Regelfall nur dann leisten, wenn wir selbst daraus Nutzen ziehen oder andernfalls Strafe zu befürchten haben, ist im Übrigen Anlass für ein Gesetz gewesen, das unterlassene Hilfeleistung unter Strafe stellt. Die meisten Menschen, die an dieser gestellten Situation mit ihrem Auto einfach vorbeigefahren sind, werden sich wohl dennoch nicht schämen, da sie genau so gehandelt haben, wie es die Mehrheit tat. Wie wir wissen, liegt die Mehrheit aber nicht immer richtig und handelt, wie ich sagen würde, nur selten zum Besten.

Liebe Grüße,
Mahiat

Advertisements
2 Kommentare
  1. Anonymous permalink

    Selbiges bei Experiment mit nackter, verzweifelter Frau an einer Autobahn.
    Ich denke aber, dass die meisten erstmal perplex sind und dann schon so weit weiter gefahren sind, dass sie es einfach den hinteren Autofahrern aufbürden (zumindest in Gedanken).

    Wäre interessant, ob Fußgänger hier anders reagieren würden. Man nähert sich dann langsamer und ist direkter am Geschehen dran.

  2. Stimmt, das Problem besteht auch dadurch, dass man im Prinzip nur eine Sekunde für die Entscheidung hat und sich durch die Distanz, die man danach sehr rasch zum Geschehen gewinnt, noch weniger involviert fühlt. Es gibt ja oft sogar Autofahrer, die im Nachhinein vorgeben, gar nichts gesehen zu haben. Das ist natürlich durch die Art und Weise, wie und wo die Situation aufgebaut wird, beinahe unmöglich. Es zeigt aber auf, wie groß der Wunsch der Leute ist, mit der Sache einfach nicht in Verbindung gebracht zu werden.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Fußgänger anders reagieren würden. Ihm fehlen sämtliche Ausreden, sowohl der Öffentlichkeit, als auch sich selbst gegenüber.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: